Überraschungsweltmeisterschaft

Menschenskinder, heute beginnt die Fußballweltmeisterschaft in Kanada!
Und die Deutsche Nationalfrauschaft tritt morgen um 22 Uhr an. Und?
Kräht mal wieder kein Hahn danach. Nicht mal ein Huhn. Die Zeitung berichtet darüber mit keinem Wort auf dem Titel, sondern schön aufgeräumt im Sportteil und dort auch erst auf der dritten Seite. Der Aufmacher des Sportteils ist natürlich Juve-Barca. Auf Seite zwei irgendein regionales Geplänkel und bisschen FIFA, da ist wohl immer noch nicht genug gesagt.

Warum interessiert sich keiner für Frauenfußball? Nicht mal die Frauen. Mag das daran liegen, dass die deutschen Damen 2011 im eigenen Land das Viertelfinale nicht überstanden. Ach was, dafür gewannen sie doch 2013 die Europameisterschaft. Allerdings auch ziemlich unbemerkt (vgl. Forumsbeitrag: Wissenstücken).

Zeitlich ist Kanada natürlich nicht ideal. Dazu heute noch das Endspiel der Champions League mit Anstoß in Berlin um 20.45 Uhr. Das ist klar die Pole Postition. Aber sind wir doch mal ehrlich, erstens hätte es bei der Herrenweltmeisterschaft schon gar kein Champions League Endspiel am selben Tag gegeben – auch, wenn die UEFA der FIFA zur Zeit gerne eins auswischt – und zweitens hätte ein Anpfiff erst um 0.00 Uhr doch am Samstag auch keinen geschreckt. Die Titelseite der Tageszeitung hätte nur ein Thema gehabt und es hätte seit Wochen Sportsonderteile gegeben.

Um 17.05 Uhr beginnt bereits die Berichterstattung mit der Sendung „hallo FINALE“ vom Brandenburger Tor. Das ist weit mehr als drei Stunden vor dem Spiel. Abgesehen davon, dass man sich über die Programmredaktion regelmäßig aufregen kann, ist das doch ein Affront gegenüber den Damen, bei denen die Berichterstattung zum WM-Auftakt um 23.45 Uhr, also exakt eine Viertelstunde vorher beginnt. Gut, da spielt der Gastgeber Kanada gegen China, aber Turin und Barcelona sind nun beileibe auch keine deutschen Mannschaften. Man mag der Programmredaktion zugestehen wollen, dass sie auch lieber eine deutsche Mannschaft im Finale gehabt hätte und die Bayern auch so entfernt davon nicht waren. Aber „hallo FINALE“ 220 Minuten vor dem Anpfiff? Ein Musikantenstadel wäre mehr Kultur.

Am FIFA Skandal kann es auch nicht liegen, der ist nun wirklich erst mal durchbesprochen. Es hätte also eigentlich gerade noch gereicht, um die Aufmerksamkeit herumzureißen. Höchstens könnte man glauben, die Amis wollten mit ihren Amtshilfeanträgen an die Schweiz, den Nachbarn aus Kanada die Schau stehlen. Nein, Quatsch, die Amis sind gerade bei den Frauen ziemlich fußballverrückt.

Also muss es andere Gründe haben. Damentennis wird doch auch geguckt oder nicht. Sogar von Fußballern. Also zumindest vom Basti. Naja, ansonsten wird Tennis, seit Steffi und Boris abtraten, wohl mehr oder weniger auch nur noch von Tennisvätern geguckt. Es scheint, mangels anderer Erklärung, dass das letztenendes bei Damenfußball wohl so ähnlich sein muss. Also Mütter und Väter von Fußballmädels, viel Spaß heut Nacht.

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