Hinterhergetreten ist immer schlauer

Jetzt ist das Spektakel eine Woche her, Schonfrist um, Zeit zum Nachtreten.

Wann gab es das schon einmal, dass die Deutschen Medien etwas im Vorfeld nicht schlechtredeten? – Irgendwie musste es diesmal einfach sein. Die Meisterschaft musste doch irgendwie gelingen, nach alledem, in all den Vorjahren. Der Bauch wusste es, auch wenn der Kopf bis zum letzten Moment, selbst nach dem Siebenzueins, den Tag nicht vor dem Sonntagabend, den 13. Juli 2014 loben wollte. – Und sie taten es wirklich. Die Medien druckten was ihr Bauch sagte. Wenn auch noch nicht überschwänglich, so doch immerhin so gut wie einhellig. Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung gehörte hier gar zu den mutigsten. FAS.WMDie Titelseite am Tag des Spiels brachte seitenausfüllend, überlebensgroß und in Farbe den Ausschnitt des DFB-Wappens auf dem Trikot der Nationalmannschaft. Und zwar bereits mit vier Sternen. Frech nicht wahr? Die haben einfach so das Glück heraufbeschworen. Gibts doch nicht.

Und sie hatten ja so recht. Unser aller Bäuche hatten ja so recht. All die Jahre der Bescheidenheit, Zurückhaltung und verkniffenen Vorfreude, sie hatten sich gelohnt. Diesmal war diese „toll zusammenspielende“,  und vor allem „schönspielende“ (vgl. insb. Bild, 12. Juli 2010 (pdf))  DFB-Auswahl einfach mal dran.

WM-Sieg-RechnungUmso verwunderlicher der Artikel im Wissenschaftsteil derselben Zeitung:

Schlicht daneben gelegen, kann man so sagen. „Knapp“ war es nur vom Torergebnis her, allerdings anders herum. Und nach allen anderen technischen Daten wie Ballbesitz, gelungene Pässe, Ecken, Torschüsse etc., die während des Spiels immer wieder eingeblendet wurden, war das Ergebnis alles andere als knapp, sondern recht bald ziemlich klar für den späteren Sieger entschieden. Ganz abgesehen davon, dass solche Daten in der Regel nichts, aber auch gar nichts mit dem Ausgang eines Fußballspiels zu tun haben. Das wissen die versammelten 80 Millionen deutschen Fußballer ja eben nur zu gut.
Also alles Schnickschnack mit diesen Prognosen. Nichts lässt sich prognostizieren und schon gar nicht, solange der Mensch noch die Finger im Spiel hat.

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