{"id":86,"date":"2009-01-15T17:00:12","date_gmt":"2009-01-15T16:00:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sporin.de\/forum\/?p=86"},"modified":"2013-03-13T18:24:42","modified_gmt":"2013-03-13T16:24:42","slug":"banktest","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.sporin.de\/forum\/wettschaft\/banktest\/","title":{"rendered":"Banktest"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Freudestrahlend und bester Dinge gehe ich zu meiner Lieblingsbank. Jene Art von Bank, bei der man nicht sitzt, sondern steht und zwar am Schalter, davor und meist auch dahinter &#8211; letzteres zumindest in k\u00f6rperlicher Hinsicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kaum betrete ich den Schalterraum &#8211; viel ist nicht los &#8211; bittet mich eine freundlich dreinblickende, halbwegs junge Dame, mit der Frage: &#8222;Kommen Sie zu mir?&#8220; an ihren Stehschalter.<br \/>\nMit bleibender Zuversicht und freudigem Gesichtsausdruck komme ich ihrer Frage nach.<br \/>\nDreihundert Euro sch\u00f6nsten Bargelds befinden sich in meiner B\u00f6rse &#8211; die Art von B\u00f6rse, in die man Geld einlegt, nicht anlegt oder die Art von B\u00f6rse, die man besitzt und nicht umgekehrt, aber das ist eine andere Geschichte.<br \/>\nSogleich macht sie mir mit der Frage &#8222;Gr\u00fc\u00df Gott; was kann ich f\u00fcr sie tun?&#8220;, nun ein Angebot mit dem ich nicht gerechnet habe, was meine unzureichende Vorbereitung auf diese Situation beweist.<br \/>\nAus Perplexit\u00e4t, Unflexibilit\u00e4t oder schierer Sturheit, sage ich einfach was ich mir vorgenommen habe. Dies tue ich nicht ohne Bedauern dar\u00fcber, Ihr lieb gemeintes Angebot damit zu \u00fcbergehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Ich m\u00f6chte in diesen f\u00fcr sie schwierigen Zeiten ein Zeichen setzen&#8220; verk\u00fcnde ich feierlich &#8222;und Ihnen, als meiner Bank, heute mein Vertrauen beweisen.&#8220; Ihr Gesicht wirkt etwas regungslos, vielleicht leicht irritiert, aber in seiner Grundstimmung unbedingt freundlich. &#8222;Ich m\u00f6chte dreihundert Euro auf mein Konto &#8218;ein&#8217;zahlen.&#8220; fahre ich fort und das letzte Wort lasse ich uns dabei auf der Zunge zergehen, denn hierin konzentriert sich die ganze Feierlichkeit und Besonderheit meines Besuchs.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun lebt sie wieder auf, gewinnt ihre gesamte Sicherheit zur\u00fcck, strahlt wie ein Honigkuchenpony. Sie scheint genau zu wissen, was sie jetzt zu tun hat. Sie fragt mich nach meiner Kontonummer, die ich ihr bereitwillig und auswendig aufsage, denn darauf war ich gefasst. Sofort beginnt sie auf ihrer Tastatur zu tippen und beobachtet gebannt den Bildschirm, der linker Hand an ihrem Stehschalter angebracht ist. Ganz zufrieden stellen konnte ich sie mit meiner Merkleistung offenbar nicht, denn sie stellt weitere Erkundigungen bei mir an:<br \/>\n&#8222;Wie ist denn ihre Adresse und ihr Geburtsdatum&#8220;.<br \/>\nObwohl diese R\u00fcckfrage nun meine Verwunderung ausl\u00f6st, reagiere ich gefasst und gl\u00e4nze mit weiterem auswendigem Wissen.<br \/>\nJetzt nickt sie anerkennend und wirkt ganz zufrieden. Sie l\u00e4chelt mich an, zieht ein Formular aus einem St\u00e4nder rechts und beginnt mit einem Kugelschreiber, der den Aufdruck der Bank tr\u00e4gt, meine Kontonummer in die kleinen K\u00e4stchen einzutragen. Kaum ist sie damit fertig, bindet sie mich schon wieder aktiv mit ein. Das ist didaktisch schlau und wahrscheinlich auch zur Kundenbetreuung ge\u00fcbt, davon gehe ich aus.<br \/>\n&#8222;Welche Summe darf ich f\u00fcr sie eintragen?&#8220;<br \/>\nTapfer widerstehe ich dem Versuch zu sagen, sie solle am besten die ganze Summe eintragen, die ich ihr zuvor genannt habe. Denn ich bin mir sicher, sie fragt mich das nur, weil sie das bei diesem Vorgang an dieser Stelle immer tut. Es wurde ihr so aufgetragen. Sie hat das sicherlich schon viele Male gemacht und es ist zum Automatismus geworden. Deswegen muss sie nicht mehr nachdenken. Automatismen sind gut, denn sie sorgen daf\u00fcr, dass nichts vergessen wird. Das gibt Sicherheit und das ist in einer Bank ganz wichtig. Und genau das best\u00e4rkt mich jetzt noch in meinem Entschluss, hier mein Geld aufzubewahren.<br \/>\n&#8222;Dreihundert&#8220;, sage ich stattdessen hilfsbereit und aus vollster \u00dcberzeugung. Sie schreibt flugs und schiebt mir zur Unterschrift das Formular und den Kuli hin. W\u00e4hrend ich unterschreibe erlaube ich mir erg\u00e4nzend zu bemerken: &#8222;\u00dcbrigens, sollte mal jemand vorbeikommen, der auf mein Konto Bargeld einzahlen m\u00f6chte, auch wenn ich das nicht selbst bin, m\u00f6chte ich ihnen hiermit herzlich die Erlaubnis erteilen, das trotzdem anzunehmen.&#8220;<br \/>\nDas irritiert sie jetzt aber auch nur ganz kurz und sehr freundlich lachend erwidert sie: &#8222;Jahaha, das halte ich allerdings f\u00fcr unwahrscheinlich!&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Beide sind wir offensichtlich sehr fr\u00f6hlich dar\u00fcber, dass wir uns so gut verstehen und diese tolle Stimmung h\u00e4lt weiter an, w\u00e4hrend ich mich bedanke und wir uns voneinander verabschieden. Weil sie so nett ist frage ich auch nicht nach, was daran so unwahrscheinlich sei, dass mir jemand Geld zukommen lassen m\u00f6chte. Ich verlasse ihren Stehschalter und ich glaube sie auch. &#8211; Mensch das war einfach unheimlich nett.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">W\u00e4hrend ich wieder auf die Stra\u00dfe trete und mein L\u00e4cheln sich langsam verfl\u00fcchtigt, kann ich mich des leisen Gef\u00fchls nicht mehr erwehren, dass wir irgendwo aneinander vorbeigeredet haben. Pl\u00f6tzlich werde ich fast traurig und \u00fcberlege ob diese Lanze etwa ganz umsonst zerbrochen wurde?<br \/>\n___<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Freudestrahlend und bester Dinge gehe ich zu meiner Lieblingsbank. Jene Art von Bank, bei der man nicht sitzt, sondern steht und zwar am Schalter, davor und meist auch dahinter &#8211; letzteres zumindest in k\u00f6rperlicher Hinsicht. 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