{"id":161,"date":"2009-05-25T23:08:37","date_gmt":"2009-05-25T21:08:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sporin.de\/forum\/?p=161"},"modified":"2012-04-25T11:53:05","modified_gmt":"2012-04-25T09:53:05","slug":"so-ein-pelz-ist-was-feines","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.sporin.de\/forum\/nichtwissen\/so-ein-pelz-ist-was-feines\/","title":{"rendered":"So ein Pelz ist doch was feines"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><em>Und unsere Alternativen wachsen weder im heimischen Garten, noch so mir nichts dir nichts, h\u00f6chstens uns schon l\u00e4ngst \u00fcber den Kopf!<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Baumwolle wird zwar nur auf 2,4% der weltweit verf\u00fcgbaren landwirtschaftlichen Nutzfl\u00e4che angepflanzt, jedoch werden dort 11% aller Pestizide und 24% der Insektizide verspritzt und zwar pro Saison durchschnittlich 20-25-mal.<br \/>\nBaumwolle ist n\u00e4mlich aufgrund ihrer langen Wachstums- und Reifeperiode besonders sch\u00e4dlinganf\u00e4llig und\u00a0wird meistens als einj\u00e4hrige Kultur angebaut.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Pro T-Shirt kommen rund 150 g Gift auf den Acker,\u00a0dazu je Hektar 200 kg Minerald\u00fcnger (Westafrika) bis zu 600 kg (USA).<br \/>\nDer effektive Einsatz von Pfl\u00fcckmaschinen erfordert chemische Entlaubung (z.B. Totalherbizid Roundup (Monsanto)) und der Schutz vor Schimmel, Stockflecken und Sch\u00e4dlingen bei Transport und Lagerung, Konservierungsstoffe, wie etwa Formaldehyd.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nach Sch\u00e4tzungen der WHO vergiften sich bei Unf\u00e4llen mit Spritzmitteln jedes Jahr weltweit 500.000 bis zwei Millionen Menschen, bis zu 40.000 davon t\u00f6dlich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Baumwollfelder machen rund die H\u00e4lfte aller bew\u00e4sserten Agrarfl\u00e4chen der Welt aus (60% aller Baumwolle). Das erfordert etwa 6% des globalen S\u00fc\u00dfwasserverbrauchs.<br \/>\nEffiziente Bew\u00e4sserungsanlagen ben\u00f6tigen 7.000 Liter Wasser f\u00fcr die Erzeugung von einem Kilogramm Baumwolle, schlechte Anlagen bis zu 30.000 Liter. (Pestizide reichern sich so in Teilen des Trinkwassers sowie in Lebens- und Futtermitteln an).<br \/>\nAnschaulicher hei\u00dft das <em>pro T-Shirt<\/em>\u00a0werden\u00a0rund<em>\u00a01<\/em><em>.400-6.000 Liter Wasser\u00a0<\/em>verbraucht. (200g wiegt ein durchschnittliches T-Shirt bei\u00a0Gr\u00f6\u00dfe M-L, bessere Qualit\u00e4t.) Eine Jeans wiegt etwa das 3-4 fache. Dabei sind\u00a0 Verluste von Baumwolle zwischen Erzeugung des Rohmaterials und Endzuschnitt des Stoffes au\u00dfer Acht gelassen.<br \/>\nBei j\u00e4hrlich 25 Mio. Tonnen Baumwolle werden 300 Billionen Liter Wasser verbraucht \u2013 viermal so viel wie f\u00fcr die Befriedigung des Grundbedarfs aller Menschen n\u00f6tig ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Baumwollsaatgut wird vorwiegend in Indien produziert. Laut einer Studie der GRCS (Global Research and Consultancy Services) arbeiten rund 450.000 Kinder bei Kreuzung der Pflanzen sowie Ernte und Aussaat. Eine im Juni 2007 erschienene Studie brachte ans Licht, dass in Indien immer noch Kinder f\u00fcr die Bayer-Tochterfirma Pro Agro t\u00e4tig sind, obwohl Bayer seit 2002 von Kinderarbeit in der Zulieferkette wei\u00df. Die Kinder leben den Untersuchungen zufolge in Schuldknechtschaft und sind auf den Feldern st\u00e4ndig Pestiziden ausgesetzt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Rund 43 Prozent der Baumwollpflanzen sind genmanipuliert. Hauptanbaul\u00e4nder f\u00fcr Gen-Baumwolle waren 2007 Indien (6,2 Mio. Hektar), die USA (4 Mio.) und China (3,8 Mio.). Der Gentechnik-Anteil in den USA betrug im Jahr 2007 bereits rund 90 Prozent, in China und in Indien je 66 Prozent. Daneben ist der Anbau auch in Argentinien, Australien, Mexiko, Kolumbien und S\u00fcdafrika zugelassen. In der EU ist die Aussaat von Gen-Baumwolle bisher nicht gestattet, ein entsprechender Antrag von Monsanto liegt vor.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die transgenen Baumwoll-Linien besitzen lediglich zwei verschiedene Eigenschaften. Der Einbau von Genmaterial aus dem Bodenbakterium Bacillus thuringiensis (Bt) macht sie toxisch f\u00fcr Insekten wie den Baumwollkapselbohrer. Andere Linien sind widerstandsf\u00e4hig gegen Totalherbizide von Agrochemiekonzernen wie Monsanto oder Bayer. Der Anteil mit beiden Eigenschaften (gestapelten Genen) betrug in den USA 2007 bereits rund 42 Prozent.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Resistenzen der Schadinsekten wie des Baumwollkapselbohrers gegen das in der Baumwolle eingebaute Bt-Gift nehmen bereits wieder \u00dcberhand, zudem nehmen andere Sch\u00e4dlinge den enstehenden im Freiraum im \u00d6kosystem ein.<br \/>\nDie Bauern zahlen f\u00fcr Saatgut und mindestens so viele Insektizide wie zuvor und \u00fcberschulden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Soweit zwar nicht gut, jedoch noch immer nicht kleidsam. Folgenderma\u00dfen wird noch &#8211; hoffentlich nicht Hand &#8211; angelegt:<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Schlichten<\/em> erzeugt auf den F\u00e4den einen synthetischen Schutzfilm gegen die Belastungen beim Weben.<strong><br \/>\n<\/strong><em>Entschlichten<\/em> w\u00e4scht diesen Schutzfilm mit L\u00f6sungsmitteln wieder aus.<strong><br \/>\n<\/strong><em>Bleichen<\/em> mit Chlorverbindungen bringt u.a. eine gleichm\u00e4\u00dfige Saugf\u00e4higkeit und giftige Nebenprodukte wie Dioxin.<strong><br \/>\n<\/strong><em>F\u00e4rben<\/em> mit Azo- und Benzidinfarbstoffen gilt als krebsgef\u00e4hrdend, ist aber billig und wird deshalb in Niedriglohnl\u00e4ndern noch praktiziert. Als Farbfixierer kommen oft allergieausl\u00f6sende Nitro- oder Nitroseverbindungen auf den Stoff, sowie optische Aufheller f\u00fcr leuchtendere Farben.<strong><br \/>\n<\/strong><em>Veredelung<\/em> (Appretur) &#8211; mit Kunstharzen (formaldehydhaltig) und Weichmachern vermindert z.B. Einlaufen und Knitteranf\u00e4lligkeit bei 90 % der Baumwollstoffe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es werden bis zu 8000 verschiedene Chemikalien, wie z.B. Formaldehyd, organische Halogenverbindungen und giftige Schwermetalle, sowie rund 4000 Farbstoffe eingesetzt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Oft bleiben schlie\u00dflich nur rund drei Viertel des Stoffes Baumwollfasern. Die restlichen Anteile sind Farbstoffe, Polyacryl, Harnstoff-Formaldehydharz, Weichmacher und optische Aufheller, die als so genannte Ausr\u00fcstungsstoffe nicht angegeben werden m\u00fcssen.<br \/>\n2 &#8211; 10% der Textilhilfsmittel und Farbstoffe verbleiben auch nach mehrmaligem Waschen in den Textilien.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So wird z.B. zur antimikrobiellen Ausr\u00fcstung die Chlorchemikalie Triclosan eingesetzt, die durch Schwei\u00df im K\u00f6rper anreichert werden und die Leber sch\u00e4digen kann (Das Bakteriengift wird z.T. auch in Deodorants verwendet, was jedoch in einigen L\u00e4ndern mit gleicher Begr\u00fcndung bereits verboten ist).<br \/>\nAuch krebserregende (europaweit verbotene) Azofarbstoffe tauchen bei Stichproben immer wieder auf.<br \/>\nF\u00fcr das ebenfalls krebserregende Formaldehyd gilt ab einer Konzentration von 1500 mg\/kg die Kennzeichnungspflicht \u201eenth\u00e4lt Formaldehyd\u201c. Erste gesundheitliche Belastungen k\u00f6nnen aber schon ab 300 mg\/kg auftreten.<br \/>\nMottenschutzmittel, Formaldehyd, Azofarbstoffe, antimikrobielle Ausr\u00fcstungen, Farbstoffe und R\u00fcckst\u00e4nde aus der Textilpflege, wie z.B. optische Aufheller, Duftstoffe und Enzyme k\u00f6nnen gerade bei Kindern und empfindlichen Personen Hautreizungen, Allergien, Augen- und Schleimhautreizungen oder andere Gesundheitssch\u00e4den hervorrufen. Insbesondere feuchte Textilien geben durch das Quellen der Baumwollfasern diese Schadstoffe direkt an die Haut ab.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">70% der Textilchemikalien und 20% der Farbstoffe gelangen w\u00e4hrend oder nach der Verarbeitung in die Luft oder ins Abwasser. Besonders problematisch sind Farbstoffe, die sich in der Kl\u00e4ranlage so gut wie nicht abbauen.<br \/>\nPro Kilogramm veredelter Ware m\u00fcssen etwa 70 g Kl\u00e4rschlamm entsorgt werden. Allerdings landen bestenfalls 50 bis 80 Prozent der Chemikalien im Kl\u00e4rschlamm. Der Rest gelangt in die Fl\u00fcsse und belastet das Trinkwasser.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Was lange g\u00e4rt wird gut oder so \u00e4hnlich, aber wo isses denn jetzt \u00fcberhaupt?<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aufgrund des Preisdrucks auf dem Textilmarkt werden Baumwollfasern haupts\u00e4chlich in Niedriglohnl\u00e4ndern verarbeitet. Dabei k\u00f6nnen die unterschiedlichen Verarbeitungsschritte in v\u00f6llig verschiedenen Regionen der Erde stattfinden. Anbau z.B. in Kasachstan, den USA, China, Indien, Pakistan oder Usbekistan, gesponnen wird das Garn in China, gef\u00e4rbt auf den Philippinen, gewebt wird der Stoff in Polen. Vern\u00e4ht wird in Bangladesch, auf den Philippinen, in China oder Thailand, wo auch die Etiketten und Futterstoffe aus Frankreich eingen\u00e4ht werden. Zusammengen\u00e4ht wird in der Regel in den \u201eSweatshops\u201c, die in extra daf\u00fcr ausgewiesenen \u201eSonderwirtschaftszonen\u201c liegen. Die fertig gen\u00e4hte Jeans wird jetzt nach Griechenland transportiert. Hier wird sie noch f\u00fcr den \u201eWashed Out\u201c-Effekt mit Bimsstein bearbeitet, bevor sie in die L\u00e4den reist. Ein konventionell hergestelltes Kleidungsst\u00fcck reist auf diese Weise bis zu 50.000 km durch die Welt, bevor es im Kleiderschrank landet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Keine Angst, 59 Prozent an der Weltfaserproduktion sind z.B. Chemiefasern aus der derzeitigen Textilproduktion.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Wasserverbrauch f\u00fcr die Herstellung von z.B. einem Kilogramm Polyacryl betr\u00e4gt zwar \u201enur\u201c 210 Liter, der Energieaufwand ist hier aber zwei- bis dreimal so hoch wie beim Anbau von Baumwolle. Die Chemiefaserherstellung ist zudem durch den Verbrauch von Roh\u00f6l und schwermetallhaltiger Hilfsmittel gleicherma\u00dfen f\u00fcr Abwasserbelastung und Emissionen verantwortlich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Fasermischungen und besonders Mischungen mit Elastan k\u00f6nnen au\u00dferdem nicht recycelt werden.<br \/>\nSchurwolle ist oft belastet, da die Schafe durch Pestizidb\u00e4der gef\u00fchrt werden, um Parasitenbefall vorzubeugen.<br \/>\nSeide von Maulbeerb\u00e4umen kann R\u00fcckst\u00e4nde von Spritzmitteln aufweisen, da die B\u00e4ume zum Schutz vor Fra\u00dfkonkurrenten der Raupen mit Insektiziden gespritzt werden.<br \/>\nAuch zellulosehaltige Ausgangsmaterialen f\u00fcr Textilien stellen eine gro\u00dfe Belastung f\u00fcr die Umwelt dar. Bei der Verarbeitung von Zellulose (Holz und Kurzfasern der Baumwolle) zu Viskose, Modal, Lyocell\/Tencel, Cupro oder Acetat werden enorme Mengen von Wasser, Chemie und Energie verbraucht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Was kann man tun? Vielleicht l\u00e4sst sich der Spuk irgendwie vertreiben?<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mehr als 600.000 Tonnen Alttextilien, umgerechnet rund 500 Millionen Textilien landen in Deutschland j\u00e4hrlich auf dem M\u00fcll. Bei der Verbrennung entstehen zum Teil hochgiftige Substanzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer seine Kleidung in die Altkleidersammlung gibt, sollte bedenken, dass rund 30 Prozent der Textilien in afrikanischen L\u00e4ndern zu Preisen verkauft werden, die immer noch zu teuer sind, als dass die wirklich Armen sie sich leisten k\u00f6nnten.<br \/>\nHier hilft als Orientierung z.B. das Zeichen \u201eFairWertung\u201c, das durch den Dachverband FairWertung e.V. an sammelnde gemeinn\u00fctzige Organisationen, H\u00e4ndler und Sortierbetriebe mit transparenten, sozial- und umweltvertr\u00e4glichen Standards vergeben wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Na also! Da schlie\u00dft sich doch der <\/em><em>Kreis <\/em><em>schon wieder.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: right;\">Hauptinformationsquelle: Umweltinstitut M\u00fcnchen e.V.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Und unsere Alternativen wachsen weder im heimischen Garten, noch so mir nichts dir nichts, h\u00f6chstens uns schon l\u00e4ngst \u00fcber den Kopf! 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